Gesetzliche Krankenversicherung

In Deutschland besteht für alle Bürger eine gesetzlich verankerte Pflicht, eine Krankenversicherung abzuschließen. Unterschieden wird zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung. Während für einen Wechsel in die PKV bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, sind die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, jeden Bürger aufzunehmen. Die GKV beruht auf dem Prinzip der Solidargemeinschaft. In der Praxis bedeutet das, dass jeder Versicherte Anspruch auf sämtliche Leistungen hat, unabhängig vom Alter, von der Beitragshöhe und vom Einkommen. Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung können Familienangehörige bei den gesetzlichen Kassen kostenlos mitversichert werden.

Wer kann der gesetzlichen Krankenversicherung beitreten?

Eine gesetzliche Krankenversicherung müssen alle sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer abschließen, deren Jahreseinkommen unterhalb der Bemessungsgrenze von 56.250 Euro brutto liegt. Ehepartner oder Lebensgefährten mit geringem oder keinem eigenen Einkommen sowie Kinder können kostenfrei mitversichert werden. In diesem Punkt unterscheidet sich die GKV von der privaten Krankenversicherung, wo diese Option nicht zur Verfügung steht. Im Rahmen dieser Familienversicherung genießen alle mitversicherten Personen vollständigen Versicherungsschutz. Für Kinder gilt diese Regelung maximal bis zum 25. Lebensjahr, sofern sich der Nachwuchs bis zu diesem Zeitpunkt in der Ausbildung befindet. Selbstständige und Freiberufler können freiwillig der gesetzlichen Krankenversicherung beitreten oder sich für die PKV entscheiden. Die gesetzlichen Krankenkassen erwarten von ihren Mitgliedern eine gesundheitsbewusste Lebensführung und eine aktive Mitwirkung an der Behandlung von Krankheiten.

Leistungen der GKV

Im Gegensatz zu den privaten Krankenkassen sind die Leistungen bei der GKV weitestgehend gesetzlich geregelt. Der Staat legt unter anderem die Regelleistungen fest, die für alle Anbieter verbindlich sind. Der Fokus liegt dabei auf Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit. Explizit wird im Sozialgesetzbuch darauf hingewiesen, dass die Leistungen ausreichend sein müssen und das erforderliche Maß an Notwendigkeit nicht überschreiten sollen. Neben den Regelleistungen kann  jede gesetzliche Krankenkasse individuelle Zusatzleistungen anbieten, die alle Versicherungsnehmer in Anspruch nehmen können. Das können beispielsweise die Kostenübernahme für Heilbehandlungen und Homöopathie, Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung oder die anteilige Kostenerstattung für Sehhilfen wie Kontaktlinsen sein. Nicht im Leistungskatalog enthalten sind privatärztliche Behandlungen und es besteht in keinem Tarif ein Anspruch auf eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus.

Beitragsstruktur bei der gesetzlichen Krankenversicherung

Anders als bei der privaten Krankenversicherung handeln die Versicherten bei der GKV die Beiträge nicht individuell aus. Für die Beitragsermittlung wird das Bruttoeinkommen zugrunde gelegt. Derzeit liegt der Beitragssatz bei 14.6 Prozent vom Bruttoeinkommen. Die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber. Seit 2015 dürfen die gesetzlichen Krankenkassen von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag erheben und zahlreiche Kassen machen von diesen Recht Gebrauch. Rund vier Fünftel aller gesetzlich Versicherten zahlen in der Gegenwart einen Zusatzbeitrag. Die Höhe variiert von Kasse zu Kasse und liegt im Maximum bei rund 1,7 Prozent. Im Gegensatz zum klassischen Beitrag wird der Zusatzbeitrag nicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt. Die Arbeitnehmer tragen die volle Last allein. Durch einen Wechsel zu einer anderen gesetzlichen Krankenversicherung können Versicherungsnehmer dieser finanziellen Zusatzbelastung entgehen. Nachteile entstehen den Versicherten durch diesen Schritt nicht.

Krankenversicherung ohne Arbeit

Die gesetzliche Pflicht zum Abschluss eine Krankenversicherung betrifft jeden Bürger, unabhängig von der Höhe des Einkommens. Bei Beziehern des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV) übernimmt die Agentur für Arbeit die Zahlung der Beiträge. Wer kein Einkommen erzielt und nicht als Arbeitssuchender gemeldet ist, fällt in die medizinische Grundversorgung. Voraussetzung dafür ist, dass der Krankenkasse dies mitgeteilt wird. Können die Betroffenen aus finanziellen Gründen keine Beiträge zahlen, werden diese gestundet und als Zahlungsrückstand gewertet. Die gesetzlichen Krankenversicherungen unterstellen in diesem Fall ein fiktives Einkommen, das nach Ansicht der Sachbearbeiter theoretisch erzielt werden könnte. Auf Grundlage dieser Schätzung erfolgt die Ermittlung der Beitragshöhe. Siehe auch Krankenversicherung ohne Arbeit.

PKV vor dem Ende?

Regelmäßig fordert die Bundestagsfraktion Die Linke die Abschaffung der privaten Krankenversicherung in Deutschland. Im Februar 2015 unternahm die Partei den jüngsten Vorstoß in diese Richtung mit dem Einbringen eines Antrags zur Abschaffung der PKV. Kritisiert wurde die ungleiche Versorgung der Versicherten durch die Existenz zweier Versicherungssysteme. Tatsächlich müssen Privatversicherte in der Regel nicht so lang auf einen Termin beim Facharzt warten und profitieren darüber hinaus von einem höheren Leistungsumfang. Nach Vorstellungen der Fraktion Die Linke sollten sich die privaten Krankenkassen auf das Anbieten von Zusatzversicherungen beschränken, mit denen jeder Verbraucher das persönliche Leistungsspektrum individuell anpassen könne. Am 3. Juli 2015 entschied der Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition, dass der Antrag zur Abschaffung der PKV abgelehnt wird. Damit ist die Existenz der privaten Krankenversicherungen mindestens bis zur nächsten Bundestagswahl im Jahr 2017 gesichert.

Unterschiede zwischen PKV und gesetzlichen Krankenkassen

Private und gesetzliche Krankenkassen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich des angebotenen Leistungsspektrums. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Art der Beitragsermittlung. Bei der PKV entscheiden das Alter des Versicherten und der Gesundheitszustand über die Höhe der Prämie, während die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse an das jeweilige Einkommen gekoppelt sind. Aus diesem Grund sehen sich Privatversicherte im Alter häufig mit steigenden Beiträgen konfrontiert. Um die Beitragssteigerungen auf einem moderaten Niveau zu halten, sind die privaten Krankenkassen verpflichtet, Altersrückstellungen für ihre Kunden zu bilden, die die finanzielle Belastung abfedern sollen. Anders als in der GKV sind in der privaten Krankenversicherung Kinder und der nicht berufstätige Ehepartner nicht automatisch mitversichert.

Mindestbeitrag für Selbstständige bei der GKV

Freiberufler und Selbstständige haben die Wahl zwischen einer privaten Krankenvollversicherung und dem freiwilligen Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung. Insbesondere für Jungunternehmer und Existenzgründer bringt der Verbleib in der GKV mehr Nachteile als Vorteile. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstellen jedem freiwillig versicherten Selbstständigen Bruttoeinnahmen, die oberhalb der Bemessungsgrenze liegen. Damit werden Freiberufler und Selbstständige automatisch in die höchste Beitragsklasse eingestuft. Frühestens nach Ablauf eines Jahres, wenn anhand des Steuerbescheids das tatsächliche Einkommen nachgewiesen werden kann, ändert sich der Beitragssatz auf Antrag. In der PKV gibt es hingegen keinen Mindestbeitrag für Selbstständige mit geringem Einkommen. Jeder Versicherte beeinflusst durch die Auswahl eines bestimmten Leistungspaketes selbst die Höhe der monatlichen Prämie. Einsparpozenzial ergibt sich beispielsweise durch den Verzicht auf die Chefarztbehandlung oder durch den Verzicht auf ein Einzelzimmer, falls ein Klinikaufenthalt erforderlich sein sollte.

Krankenversicherung ohne Einkommen

In Deutschland besteht eine generelle Pflicht zum Abschluss einer Krankenversicherung. Angestellte bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze müssen sich gesetzlich versichern.

Wer staatliche Unterstützung in Form von Arbeitslosengeld I oder Hartz 4 bezieht, erhält die Beiträge vom Arbeitsamt gezahlt.

Freiberufler und Selbstständige müssen sich privat versichern, wenn das Einkommen 450 Euro im Monat überschreitet. Bei niedrigerem Einkommen können sie sich über die Familienversicherung absichern, sofern sie verheiratet sind. Diese Berufsgruppen können sich auch freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichern, wobei die Krankenkassen von einem hohen monatlichen Grundeinkommen ausgehen und die Beiträge entsprechend hoch sind. Zur exakten Ermittlung der Beiträge muss ein Nachweis über das erzielte Einkommen erbracht werden.

Private Krankenversicherung für Studenten ohne Einkommen

krankenversicherungWenn man sich als Student voll aufs Studium konzentrieren will gibt es in vielen Fällen kein Einkommen. Eine private Krankenversicherung kann dann für jüngere Leute eine gute Möglichkeit sein um sich billiger abzusichern als mit einer gesetzliche Krankenkasse. Bei CHECK24 gibt es einen praktischen PKV Vergleichsrechner für Studenten.

Mehr Informationen in unserem Artikel Krankenversicherung für Studenten.

Gesetzliche Krankenversicherung ohne Einkommen

Personen, die über kein Einkommen verfügen, keine staatlichen Leistungen beziehen und nicht über die Familienversicherung sozial abgesichert sind, haben ebenfalls die Möglichkeit, Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse zu werden. Voraussetzung ist, dass bereits eine Mitgliedschaft vorlag und diese nicht länger als drei Monate zurückliegt. Auch Personen ohne Einkommen müssen selbstverständlich Versicherungsbeiträge zahlen. Kann kein Einkommen nachgewiesen werden, unterstellen die Krankenkassen ein fiktives Einkommen, das als Basis für die Beitragsermittlung dient. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Beiträge aus dem vorhandenen Vermögen gezahlt werden.

Freiwillige Krankenversicherung ohne Einkommen

Zur Gewährleistung des Versicherungsschutzes ist es zwingend erforderlich, dass die monatlichen Beiträge an die freiwillige Krankenversicherung abgeführt werden. Können die Beiträge nicht aus dem vorhandenen Vermögen gezahlt werden und steht kein Einkommen zur Verfügung besteht eine Mitteilungspflicht an die Krankenkasse. Nicht gezahlte Versicherungsbeiträge werden als Zahlungsrückstand gewertet und im Ernstfall kann die Krankenkasse Leistungen verweigern. Wer nicht in der Lage ist, den monatlichen Beitrag aufzubringen, sollte sich mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen und staatliche Leistungen in Form von ALG II beantragen. In diesem Fall übernimmt das Arbeitsamt die Kosten für die freiwillige Krankenkasse.

Leistungen der Krankenversicherung

Krankenkasse abschließenWer ohne Einkommen freiwillig krankenversichert ist, hat Anspruch auf die Regelleistungen, wie sie allen Pflichtversicherten zustehen. Allerdings haben Personen ohne Einkommen, die lediglich mit einem Mindesteinkommen versichert sind, keinen Anspruch auf Krankengeld. Im Leistungsumfang enthalten sind Arztbesuche und Behandlungstermine, die von der gesetzlichen Krankenversicherung (Wikipedia) zu 100 Prozent übernommen werden. Versicherte müssen bis auf den Verzicht auf das Krankengeld keine Einschränkungen bezüglich des Leistungsumfanges in Kauf nehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings die regelmäßige Zahlung des monatlichen Versicherungsbeitrages.

Mindestbeitrag Krankenversicherung ohne Einkommen

Das fiktive Mindesteinkommen, das die Krankenkassen bei Personen ohne Einkommen als Berechnungsgrundlage annehmen, wird alljährlich angepasst und liegt derzeit bei 921,67 Euro. Da bei den gesetzlichen Krankenkassen, anders als bei den privaten Versicherern, das Einkommen als Bewertungsgrundlage dient, ergibt sich daraus ein monatlicher Mindestbeitrag in Höhe von 137,33 Euro. Hinzu kommt der Beitrag für die Pflegeversicherung in Höhe von 18,89 Euro. Für Kinderlose ab einem Alter von 23 Jahren erhöht sich der Beitrag zur Pflegeversicherung auf 21,20 Euro. Leistungseinschränkungen fallen für die Versicherten bis auf den Wegfall des Krankengeldes nicht an.

Alternative Möglichkeit: Abmelden und Auswandern

Im Verglich zu andere EU Länder ist die Krankenversicherung in Deutschland relativ teuer. Zum Beispiel in Holland zahlt man üblicherweise nicht viel mehr als 100 Euro im Monat. Und wenn man gar kein Einkommen hat bekommt man die Krankenversicherung ganz erstattet. In Frankreich und England ist die Basiskrankenversicherung ganz umsonst. Also auswandern ist sicherlich eine interessante Möglichkeit.

So bald man sich abgemeldet hat gibt es keine Versicherungspflicht mehr in Deutschland. Um sich für Krankheiten und Unfälle zu schützen kann man dann eine private Krankenreiseversicherung abschließen. In der Regel kostet diese wesentlich weniger als 100 Euro im Monat. Für junge gesunde Leute etwa €50 oder €60.